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Arbeiten mit Baby und Kleinkind? Drei Mütter erzählen aus ihrem Alltag

Viele werdende Mütter machen sich neben der Einrichtung des Kinderzimmers, des Namens für das Baby und To-Do Listen vor der Geburt vor allem erhebliche Gedanken darum, was nach der Geburt so passiert. Ist der kleine Wurm erstmal da, ist schließlich alles anders: selbstbestimmte Tagesabläufe? Eher nicht. Durchschlafen? Keineswegs. Die ersten Wochen verändern das Leben enorm – ein Grund mehr, vorzusorgen und bereits im Vorfeld zu wissen, wie es danach weitergeht.

Denn nicht nur das Privatleben ist plötzlich ganz anders: Auch die Prioritätenliste und die Sicht auf Karriere verändert sich – für manche ist es von Anfang an der Knick in der Karriereleiter, der unbedingt vermieden werden soll. Für andere rückt der Job erst mal ein gutes Stück nach hinten, wieder andere wissen nicht, ob sie überhaupt noch mal zurückwollen. Um Ihnen einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das ganze aussehen kann, haben wir mit drei Müttern gesprochen.

Anja war als Freiberuflerin dazu gezwungen, sobald wie möglich wieder an die Arbeit zu gehen. Juliette wollte im Job so wenig wie möglich verpassen, gab ihren Sohn mit zwei Monaten an ihren Ehemann und kehrte Vollzeit zurück in ihren Beruf. Anette hingegen entschied sich klar für eine möglichst lange Elternzeit. Wie es den dreien mit ihrer Entscheidung geht und was sie anderen Müttern auf den Weg geben wollen, erzählen sie uns im Interview.

Job, Haushalt und Kind – das kann eine ganz schöne Belastung sein, wie jede Mutter und jeder Vater weiß. Wie ergeht es euch im Alltag mit eurer Entscheidung?

Anja: Nun, da ich mich schon früh dafür entschieden hab, auf eigenen Füßen zu stehen und mein Business selbst in die Hand zu nehmen, war es für mich klar, dass auch diese Zeit irgendwann kommt – bei der Entscheidung meine Vollzeit Stelle zu kündigen war die Familie zwar noch kein Thema, es stand dennoch irgendwie im Raum, dass die Selbstständigkeit in manchen Situationen die unsichere Wahl wäre. So ist es ja auch beim Thema Mutterschutz und dem Verdienstausfall. Die Krankenkasse übernimmt diesen Part zwar in meinem Fall, Elterngeld kann ich als Selbstständige aber dann doch nicht beantragen, oder zumindest nicht so, dass es sich gelohnt hätte…obwohl ich als mein Chef es mir durchaus gönnen würde (lacht.)
Die ersten Wochen waren zwar recht hart, aber inzwischen kann ich mir meine Arbeitszeit schön um die Wach-Zeiten meiner Tochter herum drapieren. Man muss sich eben erst kennen lernen und so nach und nach ausloten, was wann geht. Aber im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden mit unserem Arbeits- und Familienalltag.

Juliette: Bei mir war vor allem der Weg von der Arbeit weg schwierig. Ich hab freiwillig noch zwei Wochen länger gearbeitet als der Mutterschutz es vorgibt, weil ich das laufende Projekt einfach abschließen wollte. Dann aber kam der klare Cut für mich und ich war für 12 Wochen einfach raus. Erstmal war es zwar schön die Beine hochlegen zu können, aber ich hab mich schon immer wieder gefragt, wie es grade läuft. Die vier Wochen bis zur Geburt hat es echt in den Fingern gejuckt und ich hab schon sehnlich auf die Zeit gewartet, wann ich dann die Zügel wieder in die Hand nehmen kann. Als der Kleine dann da war, war die Arbeit natürlich vergessen und erstmal raus aus dem Kopf.
Wir haben dann schon von Anfang an geguckt, dass mein Mann und der Kleine eine enge Bindung miteinander aufbauen. Das war nicht immer ganz leicht, das muss ich schon zugeben, aber als es dann nach zwei Monaten zurück zur Arbeit ging, war ich schon froh, wieder andere Dinge zu hören als Windeln, Fläschchen und Spucktuch. Die Kollegen haben mir die Wiedereingliederung auch wirklich leichtgemacht, das war toll. Viele Überstunden gab’s trotzdem nicht. Nach Hause kommen ist jetzt noch schöner und es ist wirklich wundervoll zu sehen, wie mein Mann das managed.

Leo ist jetzt sechs Monate alt und soll in anderthalb Monaten mit der Eingewöhnung in der KiTa beginnen. Er ist super aufgeweckt und neugierig, ich glaube das tut ihm gut. Und ich mag es, meinen Körper wieder für mich zu haben und mich ohne Kind fortzubewegen. Das sind die kleinen Momente zwischen Job und Familie, die dann einfach guttun.

Anette: Na, der Job fällt ja weg in meinem Fall (lacht). Aber ich muss sagen, dass mir mein Alltag auch so völlig ausreicht. Unser Sohn schläft nicht besonders gut, es sind immer wieder Nächte dabei, in denen ich nur zwei Stunden lang schlafen kann. Mein Mann geht Vollzeit arbeiten und muss fit sein, deswegen übernehme ich die Nachtschichten in der Regel. Da bin ich tagsüber schon gerädert und bin froh, dass ich mich manchmal nicht aus dem Haus bewegen muss. Putzen, Wäsche machen, unseren Schatz zu bespaßen ist aber auch so wirklich tagesfüllend. Und ich bin froh, wenn mein Mann abends heimkommt und den Kleinen noch mal für zwei Stunden übernimmt. Diese „Ich-Zeit“ fehlt mir schon, aber es ist auch sehr erfüllend Mutter zu sein.

Würdet ihr es anders machen, wenn ihr eure Entscheidung nochmal treffen könntet?

Anette: Nein, ich würde mich immer wieder für die lange Elternzeit entscheiden. Ich weiß zwar nicht, was da noch so kommt in den nächsten zweieinhalb Jahren, aber ich freu mich schon drauf, wenn wir mehr zusammen entdecken können. Dann fängt das Familienerlebnis ja erst so richtig an.

Anja: Ich wäre schon froh, etwas mehr Sicherheit gehabt zu haben in der Schwangerschaft. Es gab schon Tage an denen ich mich gefragt hab, ob ich das alles stemmen kann. Zum Glück ist mein Partner immer eine große Stütze und hat mir immer die Ängste genommen wo es geht. Aber rückblickend von jetzt aus gesprochen muss ich sagen: Viele Sorgen waren unbegründet. Wir haben uns echt gut eingerichtet und bekommen unseren Alltag prima auf die Reihe, vor allem weil ich von zu Hause aus arbeiten kann. Das macht alles einfacher.

Juliette: Nein, ich bin froh so, wie es ist. Der Job ist mir einfach wichtig, ich komme super voran und es macht einfach Spaß, nach Hause zu kommen und dann die tolle Familienzeit zu erleben. Das ist nicht immer stressfrei, aber ich hab das Gefühl dass ich von allem die beste Zeit bekomme. Mein Job ist super und erfüllt mich, die Mutterrolle macht mich dann komplett. Für mich ist das wirklich Glück.

Was ratet ihr Frauen, die sich beides vorstellen können – Arbeit und Kind – aber noch nicht wissen in welche Richtung es gehen soll?

Juliette: Beides zusammen ist absolut machbar. Es kommt dabei natürlich auch auf die familiären Umstände an. Bei uns übernimmt mein Mann einen großen Teil, bei Freundinnen waren auch die Eltern und Schwiegereltern mit involviert. Und natürlich kann man auch Teilzeit in den Job zurückkehren, wenn einem die Abstriche dann nicht zu viel sind. Es kommt eben auf die eigenen beruflichen Ansichten und Absichten an. Die Frage „Wo will ich hin?“ muss da schon jede für sich klären.

Anette: Ich sage immer wieder: Kind und Elternzeit. Der Job läuft dir nicht weg. Auch wenn die Kinder etwas größer sind kann man zurück in den Beruf finden und seinen Weg machen. Familie ist so etwas Schönes und man sollte es nutzen, wenn einem die Chance geboten wird, finanziell abgesichert mit den Kleinen zu Hause zu bleiben.

Anja: So viele Sorgen sich so manche auch machen mag: Selbstständig mit Kind funktioniert. Der Vorteil ist vor allem, dass mir niemand vorschreibt wann ich zu arbeiten hab. Ich muss zwar erreichbar sein, aber ob ich jetzt um 5 anfange, weil ich nach der letzten Stillpause nicht mehr schlafen kann oder erst um 13 Uhr loslege, wenn meine Tochter wieder schläft, ist dem Kunden am Ende egal. Wichtig ist wirklich, dass man flexibel ist und es sich auch mal leisten kann, einen Auftrag abzulehnen. Ein Partner, der Geld mit nach Hause bringt ist da schon hilfreich. Und sich nicht zu überschätzen, das ist auch wichtig. „Alles mit Links“ läuft selten so, wie man sich das vorher vorstellt (lacht).

Was würde die Entscheidung für ein Kind noch leichter machen – wo kann die Familienpolitik noch nachbessern?

Anette: Ein wenig mehr Elterngeld wäre schon etwas, dann könnten beide Elternteile zu Hause bleiben. Mein Mann hätte diesen Luxus auch gerne, so müssten wir uns aber zu sehr einschränken. Mit seinem Gehalt passt es aber grade für uns.

Juliette: Mehr KiTa-Plätze wären was. Ich hab in der Großstadt schon eine komfortable Situation, in dem Bezirk in dem wir wohnen gibt es genug Plätze, so dass Leo bald gut unterkommt. In ländlichen Lagen ist das nicht so – ein paar Freundinnen aus meiner Heimat würden gerne direkt wieder in den Job einsteigen, können das aber nicht, weil die Betreuung fehlt. Da ist man dann von der Familie anhängig. Da wiederum kommt die Entscheidung dann nicht sonderlich gut an. Grade in den ländlichen Gegenden lastet schon ein großer Druck auf den Müttern, zur Übermutti zu werden. Ich könnte das nicht mit mir vereinbaren.

Anette: Ich kann verstehen, was du meinst. Ich genieße die Zeit auch zu Hause und kann mir nicht vorstellen, unseren Sohn jetzt schon an andere Betreuungskräfte zu geben, die ich nicht mal wirklich kenne. Aber Mütter sollten schon frei entscheiden können – sie kennen ja auch ihr Kind am besten und lernen, was sie ihm zumuten können und was zu viel Distanz ist.

Anja: Ja, das denke ich auch. Der Druck muss wirklich reduziert werden – am Anfang weiß ja keine so recht, was sie da macht und steht vor einem riesen Berg an verschiedenen Informationen, die auch noch in komplett andere Richtungen gehen. Hier sollten sich Mütter mehr an die Hand nehmen und sich gegenseitig helfen statt sich im Helikopter-Dasein zu übertreffen.
Aber abgesehen davon: An der Absicherung für Freiberufler könnte auch noch etwas getan werden. Wer sich auf eigene Füße stellt hat schon an genug Ecken zu kämpfen. Grade mit Kind muss man dann dranbleiben, vor allem wenn das Business vorher nicht immer geradeaus lief und es Höhen und Tiefen beim Einkommen gab. Da lohnt sich das Elterngeld für Selbstständige dann kaum. Aber ich hab mich dafür entschieden und genieße auch die Vorteile davon. Wer das auch ein bisschen lockerer sehen kann, dem kann ich schon raten, es einfach zu machen und nicht auf irgendwelche ominösen Sicherheiten zu warten. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht, auch nicht die volle Sicherheit – da findet jeder schon seinen Weg.

Bildquellen:

Bild 1: fotolia.de ©Halfpoint #82319907

Bild 2: fotolia.de ©Syda Productions #139138242

Bild 3: fotolia.de ©famveldman #105467122

Bild 4: fotolia.de ©VadimGuzhva #91071505