- Berlin-Marathon 2026: Papa Wutz läuft für hörbehinderte Kinder
- Reform der Notfallversorgung: Hebammenverband warnt vor Versorgungslücken für Schwangere
- ENGEL Fabrikverkauf in Pfullingen erstrahlt im neuen Look
- Kundgebung bei Gesundheitsministerkonferenz: Wer an Hebammen spart, zahlt doppelt!
- Welt-Hebammentag 2026: Hebammenbetreuung ist gelebte Prävention
- Kindergeld ohne Antrag: Was Eltern jetzt wissen müssen
„Ihr gehört dazu“: Thomas Eller über taube und hörbehinderte Kinder, große Träume und seinen Lauf mit Papa Wutz
Was brauchen taube und hörbehinderte Kinder, um selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen zu können? Für Thomas Eller ist die Antwort klar: Menschen, die ihnen etwas zutrauen, Zugang zu Kommunikation und Vorbilder, die zeigen, was alles möglich ist. Er selbst ist heute genau so ein Vorbild: Lehrer, erfolgreicher Marathonläufer, zweifacher Guinness-Weltrekordhalter und ehemaliger Teilnehmer der Deaflympics.
Am 27. September 2026 steht für Thomas Eller ein ganz besonderer Lauf an. Gemeinsam mit Papa Wutz geht er beim BMW BERLIN-MARATHON an den Start. Der Termin fällt auf den Weltgehörlosentag – und so geht es an diesem Tag um weit mehr als 42,195 Kilometer. Gemeinsam möchten sie Aufmerksamkeit für taube und hörbehinderte Kinder schaffen und ein Zeichen für Sichtbarkeit, Inklusion und Teilhabe setzen.
Einen besonderen Bezug bekommt die Aktion durch eine neue Geschichte aus der Welt von PEPPA PIG: Bei Peppas kleinem Bruder Schorsch wurde eine mittelgradige Schwerhörigkeit diagnostiziert und er trägt ein Hörgerät. Für Thomas Eller kann eine solche Figur Kindern etwas Wichtiges vermitteln: Auch ihre Geschichten gehören ganz selbstverständlich dazu.
Wir haben mit Thomas darüber gesprochen, was er sich selbst als taubes Kind gewünscht hätte, welche Botschaft er Eltern nach der Diagnose einer Hörbehinderung ihres Kindes mitgeben möchte – und warum ihm der gemeinsame Marathon mit Papa Wutz so viel bedeutet.
Was hättest du dir als tauber Mensch rückblickend für deine Kindheit und von deinem Umfeld besonders gewünscht?
Thomas Eller: Ich hätte mir vor allem gewünscht, dass weniger darüber gesprochen wird, was ich aufgrund meiner Taubheit vielleicht nicht kann, und mehr darüber, was alles möglich ist. Als taubes Kind braucht man nicht ständig das Gefühl, anders zu sein oder sich an die hörende Welt anpassen zu müssen. Man braucht Menschen, die einem etwas zutrauen, die Barrieren beseitigen und die einem Zugang zu Kommunikation ermöglichen. Dazu gehört für mich auch Gebärdensprache.
Kommunikation bedeutet Teilhabe. Ein Kind sollte niemals am Rand stehen müssen, nur weil Informationen ausschließlich über das Hören vermittelt werden. Rückblickend hätte ich mir noch mehr Vorbilder gewünscht, die mir zeigen: Du kannst taub sein und trotzdem deinen eigenen Weg gehen. Du kannst große Träume haben. Du kannst Lehrer werden, die Welt bereisen, Marathon laufen, Rekorde aufstellen oder etwas verändern. Genau dieses Vorbild möchte ich heute selbst für taube Kinder sein.
Welche Botschaft möchtest du Eltern mitgeben, deren Kind gerade die Diagnose einer Hörbehinderung erhalten hat?
Thomas Eller: Mein wichtigster Wunsch an Eltern ist: Seht zuerst euer Kind und nicht die Diagnose. Euer Kind hat weiterhin dieselben Träume, dieselbe Neugier und unendlich viele Möglichkeiten. Taubheit bedeutet nicht, dass ein Leben kleiner sein muss. Aber es ist wichtig, dem Kind früh möglichst viele Türen zu öffnen und nicht schon für das Kind zu entscheiden, welche davon später die richtige sein wird. Gebt ihm Zugang zu Sprache und Kommunikation. Gebärdensprache kann dabei eine unglaublich wichtige Rolle spielen. Gebt ihm taube Vorbilder. Lasst es andere taube Kinder kennenlernen. Und gleichzeitig gebt ihm alle Möglichkeiten, seinen ganz eigenen Platz in der Welt zu finden. Vor allem aber: Traut eurem Kind etwas zu.
Heute bin ich Lehrer, Marathonläufer, zweifacher Guinness-Weltrekordhalter und durfte Deutschland bei den Deaflympics vertreten. Als Kind hätte ich mir kaum vorstellen können, wohin mich mein Weg einmal führen würde. Deshalb möchte ich Eltern sagen: Schaut nicht zuerst auf die Grenzen, die andere Menschen eurem Kind vielleicht zuschreiben. Schaut auf seine Möglichkeiten.
Du bist erfolgreicher Marathonläufer und zweifacher Guinness-Weltrekordhalter. Was möchtest du tauben und hörbehinderten Kindern durch deinen gemeinsamen Lauf mit Papa Wutz zeigen?
Thomas Eller: Ich möchte ihnen zeigen: Ihr gehört dazu. Ihr könnt sichtbar sein. Und eure Träume dürfen riesig sein. Genau deshalb bedeutet mir der gemeinsame Lauf mit Papa Wutz beim Berlin Marathon so viel. George, der kleine Bruder von Peppa Wutz, ist schwerhörig. Dadurch können sich viele Kinder vielleicht zum ersten Mal in einer weltweit bekannten Figur wiederfinden. Wenn ich gemeinsam mit Papa Wutz durch Berlin laufe, geht es für mich deshalb nicht nur um 42,195 Kilometer. Wir laufen für Sichtbarkeit und dafür, dass taube und hörbehinderte Kinder erleben: Auch meine Geschichte zählt.
Besonders emotional wird es für mich, weil Schülerinnen und Schüler meiner Schule beim Berlin-Wochenende dabei sein werden. Sie sollen diese Atmosphäre erleben, selbst laufen, Teil dieser großen Sportgemeinschaft sein und sehen, dass Barrieren nicht darüber entscheiden dürfen, wie groß ihre Träume sein können. Ich möchte, dass ein taubes Kind, das uns sieht, vielleicht denkt: „Wenn Thomas das kann, warum nicht auch ich?“ Wenn nur ein Kind dadurch beginnt, größer von seiner eigenen Zukunft zu träumen, dann ist dieser Lauf für mich mehr wert als jede Medaille.
Lieber Thomas, vielen Dank für dieses offene und wertvolle Gespräch – und vor allem dafür, dass du deine persönlichen Erfahrungen mit uns und unseren Leser:innen teilst. Deine Worte zeigen, wie wichtig Vorbilder, Zugang zu Kommunikation und Menschen sind, die Kindern etwas zutrauen. Wir wünschen dir und Papa Wutz einen unvergesslichen BMW BERLIN-MARATHON und hoffen, dass eure Botschaft viele Familien und vor allem viele taube und hörbehinderte Kinder erreicht.
Bildquelle: RTL Deutschland
Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für Map-Darstellung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben.
Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.