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Erfahrungsbericht: Trennung aus Sicht eines Vaters

Manuel aus Potsdam ist 40 Jahre alt, glücklich verheiratet und hat einen Sohn, der bald in die Schule kommt. Und er hat einen zweiten Sohn, der vielleicht gerade studiert oder eine Ausbildung absolviert oder eventuell ein soziales Jahr im Ausland macht oder… Manuel weiß es nicht. Er erzählt:

„Natürlich hat alles ganz toll angefangen mit Ulrike und mir. Als ich sie kennen gelernt habe, hatte sie bereits ein Kind, einen Sohn, mit dem ich mich super verstanden habe. Nach ein paar glücklichen Jahren haben wir gemeinsam Joshua bekommen, alles kam mir ziemlich perfekt vor.

Bis sich Ulrike aus heiterem Himmel von mir trennte und mit beiden Kindern zu einem Arbeitskollegen zog, in den sie sich verliebt hatte. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Da wir nicht verheiratet waren, hatte sie das alleinige Sorgerecht, aber ich durfte Joshua weiterhin sehen. Nach einigen Diskussionen haben wir uns darauf geeinigt, dass Joshua jedes zweites Wochenende bei mir verbringt.

Das hat anfangs gut geklappt, aber mit der Zeit hatte Joshua immer weniger Lust, zu mir zu kommen. Er war einfach so integriert in seine neue Familie, hat seinen Stiefvater bewundert und ein gutes Verhältnis zu ihm aufgebaut. Außerdem hatte er viele Freunde, die am Wochenende natürlich auch immer etwas Cooles vor hatten, und wo er nicht fehlen wollte, nur weil er zu mir kommen sollte.

Irgendwann habe ich aufgegeben. Ich wollte ihn ja auch nicht zwingen, mich zu besuchen und auf seine Gefühle für mich konnte ich sowieso keinen Einfluss nehmen. Ich habe ihn geliebt wie verrückt, aber ich habe ihn schlichtweg nicht interessiert, ich passte nicht mehr in sein neues Leben.

Ulrike hat dann gesagt, dass ich mich lieber nicht mehr melden soll. Der Junge soll nicht so zwischen zwei „Vätern“ hin und her gerissen werden. Ich habe auf sie gehört, weil ich gespürt habe, dass Joshua tatsächlich so empfindet. Es war wirklich eine schwere Entscheidung und eine traurige Zeit. Ich denke oft an Joshua, er ist jetzt 19, und frage mich, was er wohl macht, was ihn bewegt, welchen Beruf er gewählt hat. Ob er mir ähnlich ist.

Ich habe schon einmal versucht ihn zu finden, um ihn wiederzusehen. Aber ich habe ihn dann doch nicht angerufen – was hätte das schon gebracht. Vielleicht kommt irgendwann mal die Zeit, wo er wissen will, wer sein wirklicher Vater ist. Und dann werde ich für ihn da sein.“