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Bücher zum Erlebnis machen: Den Kindern vorlesen

Kinder finden Bücher spannend, das fängt schon an, bevor sie selbst lesen können. Wenn sie von den Eltern etwas vorgelesen bekommen, fiebern sie mit und wollen immer noch ein weiteres Kapitel hören. Damit das Vorlesen den gewünschten Effekt hat, sollte man sich an ein paar Grundregeln halten.

Die Wirkung von Geschichten

Schon für kleine Kinder ist es ein tolles Erlebnis, Gedichte, Märchen und andere Geschichten zu hören. Beim Zuhören entsteht eine Mischung aus Spannung und Konzentration, im Kopf der Kinder werden Bilder und ganze Filme erzeugt. Die Fantasie erhält einen massiven Schub und außerdem erhöht sich die Aufmerksamkeitsspanne.

Bis der Nachwuchs lesen kann, dauert es eine Weile. Doch schon im Babyalter freuen sich die Kleinen über bunte Bilderbücher und natürlich über Vorlese-Geschichten. Tatsächlich beginnt die Leseförderung teilweise schon sehr früh, beispielsweise wenn das Kind vier Jahre alt ist. Das Vorlesen bereitet den Nachwuchs sozusagen darauf vor, später selbst zum Buch zu greifen. Darum lohnt es sich bereits im Hinblick auf die Kreativitätsförderung sowie die Bildungsförderung, schon ab dem 10. Monat mit dem Vorlesen anzufangen. Dafür gibt es tolle Kinderbücher, die viel Freude bereiten.

Ein beliebtes Ritual: Vorlesen vor dem Schlafengehen

Wer als Erwachsener gerne liest, hat meistens als Kind eine Gutenacht-Geschichte vorgelesen bekommen. Die Liebe zu Büchern wird tatsächlich schon im Kindesalter geweckt. Kinder lieben es, vor dem Einschlafen noch ein wenig Zeit mit den Eltern zu verbringen und ihre Stimme zu hören. Ob sie das Märchen schon verstehen, ist am Anfang noch nicht so wichtig. Zunächst geht es um die körperliche Nähe und um den entspannenden Klang der Stimme.

Manchmal dürfen auch Oma, Opa oder andere Verwandte etwas vorlesen und ab einem gewissen Alter wünschen sich die Kinder dann Geschichten. Einige entwickeln eine Vorliebe für sich wiederholende Themen oder für ein ganz bestimmtes Märchen. Sie möchten es immer wieder hören, bis sie es selbst fast auswendig kennen und den Vorleser schon verbessern, wenn er womöglich einen Absatz überspringt.

Wie Kinder verstehen lernen

Durch das Vorlesen von Büchern lernen Kinder jeden Tag ein paar Wörter. Im Durchschnitt haben Sechsjährige einen aktiven Wortschatz von etwa 5.000 Begriffen und passiv ca. 20000 Begriffen, was bedeutet, dass sie von Geburt an sechs bis sieben neue Wörter am Tag gelernt haben. Durch das Vorlesen von Geschichten lässt sich diese Zahl noch erhöhen. Außerdem verfallen die Eltern dabei nicht so schnell in die Kleinkindsprache, sondern sie halten sich an den vorliegenden Text: Den verstehen Kleinkinder vielleicht noch nicht komplett, doch mit der Zeit meistern sie diese Herausforderung. Erklärungen helfen natürlich, doch man sollte sich nicht ständig unterbrechen.

Vielleicht wünschen sich die Kinder genau deshalb bei vielen Geschichten eine Wiederholung: um die Zusammenhänge nach und nach zu begreifen. Das Vorlesen kann sowohl den Kindern als auch den Eltern viel Spaß machen. Wer es als leidige Pflicht ansieht, der wird es womöglich seinem Nachwuchs verleiden. Mit den richtigen Tipps haben jedoch alle eine schöne Zeit, gleichgültig, ob es sich um pädagogisch wertvolle Bücher handelt oder um alberne Kinderbücher.

Die fünf wichtigsten Tipps beim Vorlesen

Man muss weder Schauspieler noch Lehrer sein, um bei seinem Kind das Interesse an Büchern zu wecken. Das Vorlesen steht im Vordergrund, darum sollte man die Lektüre in den Mittelpunkt stellen. Die fünf Hauptregeln lauten:

  • Deutlich und verständlich vorlesen, nicht zu schnell, sondern lieber hin und wieder Pausen machen. Ein Blickwechsel zwischendurch stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Vorleser und dem Kind her.
  • Mit Gesten, Mimik und Veränderungen der Stimme lässt sich die Spannung verstärken. Bei wörtlicher Rede kann man die Tonlage verändern, sodass eine Art „Hörspiel“ aus dem Vorlesen wird.
  • Manchmal sind Pausen sinnvoll. Manchmal möchten die kleinen Zuhörer an einer Stelle nachhaken oder einen Kommentar abgeben. Außerdem kann man in einer solchen Pause checken, ob das Kind noch aufmerksam ist.
  • Variationen sind erlaubt: Bei ungeduldigen Kindern wird ein Abschnitt übersprungen oder gerafft, während andere Kinder Ausschmückungen lieben. Hier dient das Buch als Vorlage für eine individuelle Erzählung und wird nicht direkt vorgelesen.
  • Nach dem Vorlesen sollte man etwas Zeit einplanen, um noch über die Geschichte zu reden. Manche Kinder brauchen das, um das Vorgelesene zu verarbeiten.

Welches Buch soll es sein?

Es gibt eine riesige Menge von Kinderbüchern, die den Einstieg in die Welt des Vorlesens erleichtern. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass die ausgesuchte Lektüre auf das Alter des Kindes abgestimmt ist. Babys brauchen großformatige Bilder in kindgerechten Farben und tasten gerne über die Bücher, um Formen zu erkennen. Oft sind diese Babybücher aus Stoff oder Pappe. Auch Bücher mit Holzelementen stehen zur Auswahl.
Auch noch mit etwa einem Jahr mögen die Kleinkinder Stoffbücher. Zum Teil gibt es sogar noch Fingerpuppen in diesen Büchern, die sich von den Eltern „aktivieren“ lassen. So wird das Buch zu einem interessanten Spielzeug. Wenn die Kinder ein bis eineinhalb Jahre alt sind, dann werden auch Bilderbücher langsam interessant. Teilweise sind es großformatige Bücher mit wenigen Wörtern und vielen Bildern. Der Nachwuchs lernt, Gegenstände wiederzuerkennen und zuzusortieren.
Das Vorlesen läuft jedoch auf einer anderen Ebene ab. Nicht immer sind die Märchenbücher illustriert: So können die Kinder selbst überlegen, wie ihre Helden aussehen. Während vorgelesen wird, stellen sie sich den dunklen Wald und das Hexenhäuschen vor. Natürlich ist es auch interessant, Bilder in diesen Büchern anzusehen. Diese können die Spannung steigern und auch die Erleichterung, wenn Hänsel und Gretel schließlich entkommen. Außerdem ist das Bild von der Hexe meistens nicht so gruselig wie die überbordende, kindliche Fantasie – hier dient die Abbildung fast als Schutz.

Ist Vorlesen noch „modern“?

Die Digitalisierung hat viel verändert. Durch die hohe Anzahl der PC- und Online-Games gibt es in vielen Kinderzimmern kaum noch Bücher. Lesen an sich scheint veraltet zu sein – aber ist das wirklich so? So schlecht sehen die Verkaufszahlen in den Buchhandlungen gar nicht aus. Offensichtlich sind gerade die Kinderbücher noch immer sehr gefragt und wurden noch nicht durch das eBook ersetzt.
Vorlesen ist ein Zeitgeschenk. Manche Eltern behaupten, es kostet Zeit: Tatsächlich schenkt es die Zeit, und zwar nicht nur dem Kind, sondern auch den vorlesenden Personen. Das Vorlesen macht Lust darauf, die Welt der Bücher kennenzulernen, und gehört somit unbedingt zur Leseförderung dazu. Es verbessert die Sprachkompetenz und das logische Verständnis. Es macht Fernseher und PC zumindest für einen gewissen Zeitraum zur Nebensache. Es schafft einen wichtigen Freiraum und wird zu einer schönen Gewohnheit.
Wer seine Kinder zum Lesen erziehen möchte, der sollte ihnen also regelmäßig vorlesen. Es gibt noch einen weiteren wichtigen Tipp: Man sollte sich hin und wieder selbst ein gutes Buch gönnen. Wenn die Kinder feststellen, dass ihre Eltern gerne lesen, dann fördert das ihre Neugier auf die „geschriebenen Welten“.

Vom Vorlesen zum Selberlesen

Das Vorlesen ist sozusagen die Vorstufe zur Leseförderung. Anfangs geht es darum, das Interesse des Kindes aufrecht zu erhalten. Es lernt, sich zu konzentrieren, woraufhin sich die Aufmerksamkeitsspanne verbessert. Das ist für die spätere Schulzeit sehr vorteilhaft. Zudem kommen die Kinder mit verschiedenen Charakteren in Kontakt, wenn sie viele Geschichten hören. Dadurch erfahren sie, wie andere Menschen denken und fühlen. In der Folge werden sie empathischer.
Wer als Kind seine tägliche Vorlesestunde genießen durfte, wird in der Schulzeit das Lesen für sich entdecken. Beim Selberlesen fehlt war die unmittelbare Nähe zum Vorleser, dafür hat man noch mehr Freiheiten. Beides – das Vorlesen und das Selberlesen – bedeutet einen Rückzug von der Alltagswelt.
Viele Menschen finden nur in einem gemütlichen, geborgenen Umfeld die nötige Ruhe zum Vorlesen oder Lesen. Wenn die Kinder jedoch irgendwann selbst mit dem Lesen anfangen, dann haben sie manchmal eine so starke Konzentrationsfähigkeit, dass sie selbst im lauten Trubel ganz in ein Buch versunken sind. Das ist sicherlich der größte Erfolg, den das Vorlesen erreichen kann.

Bildquellen:

  • Fotolia, Ingo Bartussek (#105418237)
  • Fotolia, Christian Schwier (#141124801)
  • Fotolia, detailblick-foto (#51000259)