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Das Konzept „Spielzeugfreie Zeit“

Spielzeugfreie Zeit1992 wurde das Konzept „Spielzeugfreie Zeit“ für Kindergärten von einem oberbayerischen Arbeitskreis entwickelt, der sich mit der Suchtprävention beschäftigt.
Die Gesundheitsamt-Mitarbeiterin Elke Schubert und Rainer Strick vom Jugendamt Weilheim-Schongau gehen in ihrem Ansatz davon aus, dass gezielte Langeweile die Kreativität und die Selbstständigkeit von Kindern fördert und so dem Suchtverhalten vorbeugt. Sie empfehlen, ihr Konzept einmal jährlich über einen Zeitraum von drei Monaten durchzuführen.

Das Konzept

Ein Kindergarten, der sich zu einer spielzeugfreien Zeit entschließt, verbannt gemeinsam mit den Kindern Schritt für Schritt alles industriell hergestellte Spielzeug in Kartons, Keller und Abstellräume. Decken und Kissen, Bau-Materialien und Werkzeug und manchmal auch Stifte und Papier dürfen bleiben. Pappkartons oder Utensilien aus dem Haushalt bringen die Kinder mit in den Kindergarten, wenn sie möchten und man damit in der Gruppe spielen kann. Von den Erzieherinnen fordert das Konzept Zurückhaltung und ein situationsbezogenes Verhalten, spezielle Spiel- oder pädagogische Angebote finden nicht statt.

Die spielzeugfreie Zeit in der Realität

Ein Teil des Teams von schwangerinmeinerstadt.de durfte einen Kindergarten im Berliner Umland besuchen, der über den Zeitraum von sogar sechs Monaten die „spielzeugfreie Zeit“ durchführte.

Das Bild, das sich unseren Mitarbeiterinnen bei ihrer Ankunft bot, war gewöhnungsbedürftig. Die Kinder hielten sich im Garten auf. Durch das Fehlen von Dreirädern, bunten Schaufeln, Eimern und Bällen wirkte die Szenerie ziemlich ärmlich. Bei näherer Betrachtung zeigte sich aber, dass die Kinder durchaus zufrieden mit der ungewohnten Situation zu sein schienen. Ein paar Kinder spielten Fußball mit einer Plastikflasche, andere schaufelten Sand mit Löffeln in ausgediente Kochtöpfe und eine Gruppe spielte Verstecken in Pappkartons. Einige Kinder bauten sogar gemeinsam an einer Stadt für Käfer und Ameisen. Sie legten Wege und Straßen an und bauten Hütten und Zäune aus Stöckchen. Die Kindergärtnerinnen fungierten als Beobachter und zeigten sich sehr zufrieden mit dem Projekt „Spielzeugfreie Zeit“.

Ziele der „Spielzeugfreien Zeit“, ein Auszug

  • Lebenskompetenzförderung: Kinder stark machen fürs Leben
  • Senkung der „Konsumabhängigkeit“ durch die Erfahrung, dass Langeweile und Frustration auszuhalten sind
  • Steigerung der Kreativität der Kinder durch selbstständige Beschäftigung
  • Suchtprävention: Spielzeug als „Zuflucht“ ist nicht vorhanden, dadurch lernen die Kinder für später, dass sie sich nicht in Süchte aller Art flüchten müssen
  • Verbesserung des Sozialverhaltens und des Umgangs mit Konflikten, da die Kinder gezwungen sind, miteinander zu reden und zu spielen
  • Verbesserung des Verhältnisses zur Natur durch vermehrte Aufenthalte im Freien
  • Förderung des Zusammenspiels von Mädchen und Jungen sowie von Kindern unterschiedlicher Herkunft

Gliederung in drei Phasen

Vorbereitungsphase (2–3 Wochen)
Erzieher(innen) und Kindern räumen gemeinsam die Spielsachen weg und schicken sie „in den Urlaub“. In Gesprächen werden Kinder und Eltern auf die zukünftige spielzeugfreie Zeit vorbereitet.

Durchführungsphase (6– 9 Wochen)
Nach und nach lernen die Kinder, sich mit den Materialen, die im Kindergarten verblieben sind, zu beschäftigen. Die Erzieher(innen) nehmen die Rolle des interessierten Beobachters ein. Vorsichtige Anregungen helfen den Kindern, sich mit der Situation zurecht zu finden und kreative Ideen zu entwickeln.

Endphase
So wie das Spielzeug nach und nach verschwunden ist, wird es Stück für Stück zurück geholt. Die Kinder können eventuell Wünsche äußern, welches Spielzeug sie gern zuerst zurück hätten.

Eine Herausforderung für Erzieher(innen), Eltern und Kinder
Kindergärtner(innen) müssen sich während der spielzeugfreien Zeit komplett zurück nehmen und dürfen den Kindern nur vorsichtige, zurückhaltende Anregungen geben. Das fällt schwer und die Durchführung des Konzepts erfordert große Geduld. Es muss von vornherein klar sein, dass die Zeit, gerade zu Beginn, nicht leicht ist.

Wichtig ist, die Eltern gut über das Projekt, seine Ziele und Chancen zu informieren. Eltern sollten hinter dem Konzept stehen, unterstützend und motivierend auf ihre Kinder wirken, die gerade in der Anfangsphase mit der Umstellung häufig Probleme haben. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Kindergärtner(inne)n und Eltern über die Entwicklung und die Beobachtungen in der spielzeugfreien Zeit fördern den Erfolg des Projekts.

Kritische Stimmen

Dieses Konzept erntet häufig aber auch harte Kritik. Kritiker bemängeln zum Beispiel, dass das Konzept unnütz, zwanghaft und realitätsfremd sei und dass eine Reduktion des Spielzeugs förderlicher wäre als seine komplette Verbannung. Auch der Zeitraum von drei Monaten sei zu lang angesetzt. Eltern befürchten, dass ihre Kinder nicht mehr gerne in den Kindergarten gehen, besonders, wenn die Kinder sowieso schon keine begeisterten Kindergartenkinder sind.


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